Ein ganzes Leben - Robert Seethaler


Goldmann Verlag / 9,99 € Taschenbuch / 192 S. / Erschienen 18. Januar 2016

Klappentext:


"Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er vier Jahre alt, ungefähr – so genau weiß das keiner. Er wächst zu einem gestandenen Hilfsknecht heran und schließt sich als junger Mann einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Bergbahnen baut und mit der Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie noch einmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen."

Eindruck:

Das erste Wort, das mir zu Robert Seethalers Geschichte einfiel, war Nüchternheit. Am Anfang der Lektüre war ich verwundert, wie nüchtern und direkt der Autor über schlimme Ereignisse in Eggers Leben schreibt. Nach Beendigung des Buches wurde mir jedoch klar, dass es sich hier eigentlich nicht um Nüchternheit, sondern vielmehr um Einfachheit handelt. Seethaler dramatisiert nicht, er bleibt jedoch auch bei Weitem nicht oberflächlich. Spektakuläres wird unspektakulär beschrieben; Trauriges wird nüchtern erzählt - so scheint es. Ihm gelingt es jedoch, in einfache Beschreibungen so viel Bedeutung zu legen, dass der Leser zum einen in die Geschichte hineingezogen wird, zum anderen beim Leser unglaubliche Gefühlsregungen während der Lektüre entstehen, weil der Autor genügend Raum dazu lässt. Ich hatte am Ende das Gefühl, den Protagonisten unheimlich gut zu kennen, weil ich sein ganzes Leben emotional begleitet habe und dennoch würde es mir schwer fallen, eine detaillierte Charakterbeschreibung über ihn abzugeben. Dies macht das Buch so außergewöhnlich. Robert Seethaler findet die richtige Balance zwischen Leichtigkeit und Tiefgang und liefert mit seiner Erzählung eine glaubwürdige und authentische Version des alltäglichen Lebens im 20. Jahrhundert. Die Nebencharaktere sind mir hingegen bis zum Schluss eher fremd geblieben, vielleicht auch weil sie nicht wirklich viel zum Fortgang der Geschichte beitragen und meist nur kurze Zeit in Eggers Leben verweilen.
Wer kurze aber eindringliche Geschichten über das Leben, den Tod, Hoffnung und Akzeptanz lesen möchte und sich dabei noch gerne ins 20. Jahrhundert zurückversetzen lässt, sollte sich dieses Buch unbedingt näher anschauen - ich bin jedenfalls schon sehr neugierig auf seine anderen Werke.





Herzlichen Dank an den Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.



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