Vom Ende der Einsamkeit - Benedict Wells

Diogenes Verlag / 22 € Gebunden / 368 S. / Erschienen 24. Februar 2016


Klappentext: 

"Jules und seine Geschwister Marty und Liz sind grundverschieden, doch ein tragisches Ereignis prägt alle drei: Behütet aufgewachsen, haben sie als Kinder ihre Eltern durch einen Unfall verloren. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg, sie werden sich fremd und verlieren einander aus den Augen. Vor allem der einst so selbstbewusste Jules zieht sich immer mehr in seine Traumwelten zurück. Nur mit der geheimnisvollen Alva schließt er Freundschaft, doch erst Jahre später wird er begreifen, was sie ihm bedeutet – und was sie ihm immer verschwiegen hat. Als Erwachsener begegnet er Alva wieder. Es sieht so aus, als könnten sie die verlorene Zeit zurückgewinnen, doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein."

Eindruck:

Meine Neugier auf diesen Autor war groß und meine Erwartungen hoch - unter Literaturkritikern wird er oft als Wunderkind oder Außnahmetalent bezeichnet. Mit seinem neuen Roman hat Wells eine Geschichte erschaffen, die einen mitreißt, erschüttert, reflektieren und staunen lässt. Dabei schafft er es mit seiner ausdrucksstarken Sprache so viel Gefühl zu transportieren, dass der Leser emotional tief in die Geschichte eintauchen kann und sehr schnell Zugang zu den Charakteren findet, so verschieden und andersartig sie auch gezeichnet sind. Sprachlich hat mich dieses Buch absolut begeistert, da ohne große Ausschmückungen enorm viel Bedeutung in die Sätze gelegt wird, was dem Leser Raum zum Nachdenken lässt. In der Geschichte wird sprachlich oft mit Vergleichen und Assoziationen gearbeitet, die dem Leser immer wieder im Laufe der Lektüre begegnen; beispielsweise wird vom Nullsummenspiel gesprochen - ein sehr bedeutungsvoller Ausdruck, der unglaublich viel Reflexionspotenzial für den Leser in sich birgt. Aus diesem Grund kann ich das Buch nicht als leichte und schnelle Lektüre bezeichnen; man muss sich definitiv Zeit dafür nehmen.
Der Autor erzählt die Geschichte von Figuren, die auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Verlust geliebter Menschen umgehen. Als Gegenstück dazu sind Hoffnung und Zufall thematisch starke Motive, die sich durch den ganzen Roman ziehen. Die Erzählung erstreckt sich über eine Zeitspanne von ungefähr vier Jahrzehnten, was es dem Leser erleichtert, die starke Entwicklung der Charaktere nachzuvollziehen. Gleichzeitig wird jedoch im Verlauf nichts beschönigt, immer wieder wird dem Leser durch Rückschläge und umumkehrbare Ereignisse der Eindruck vermittelt, dass dies eine überaus realitätsnahe und authentische Geschichte ist. 
Für mich eine absolute Autorenneuentdeckung, die nach mehr Geschichten des Autors schreit und eine Leseempfehlung an alle, die auf der Suche nach tiefgründigen Geschichten und sprachlichem Können sind!




Kommentare

  1. Na du warst ja wirklich sehr begeistert von dem Buch! Gerade die lange Zeitdauer, die die Geschichte umspannt, klingt ja unglaublich interessant. Danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast! Der Autor rückt jetzt definitiv nach oben auf meiner Ausprobierliste ;)
    Ganz liebe Grüße,
    Caro

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  2. ja, begeistert bin ich definitiv :) ich hoffe, dir gefällt es genauso gut

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