Glück allein - Jochen Rack

ars vivendi Verlag / 18,90 € / 173 S./ Erschienen 4. März 2016



Klappentext: 

"Ob jung oder alt, Single oder verheiratet - alle streben nach Glück, und das traute Heim gilt vielen als der richtige Ort dafür. Aber die Umstände sind nicht immer so, dass man Glück allein findet. Viele finden, wenn es gut geht, nur das Glück des Alleinseins. Doch hin und wieder gelingt es auch, das Glück zu zweit. Und manchmal ist die Liebe stärker als der Tod."

Eindruck:

Von Zeit zu Zeit reizt es mich, Kurzgeschichten zu lesen. Allerdings gestaltet sich die Suche nach guten Kurzgeschichten nicht immer ganz problemlos, oftmals fehlt es mir an Handlung und Tiefgang. Die Kurzgeschichten von Jochen Rack schienen laut Klappentext all das von mir so häufig Vermisste zu bieten.
Tatsächlich lässt das Thema Glück viel Raum für Denkanstöße und vielfältige Handlungsstränge. Rack hat den Begriff Glück vor allem aus der Perspektive der Liebe aufgearbeitet. Zugleich fokussiert er sich auf moderne und realistische Alltagsgeschichten, die dem philosophischen Thema die Schwere und Abstraktheit nehmen. Dem Autor gelingt es, einen roten Faden zu spinnen, indem der Großteil der Figuren in den Kurzgeschichten miteinander verbunden sind. Dies kreiert eine Ganzheitlichkeit, die den einzelnen Geschichten mehr Gewicht verleiht und die Spannung während der Lektüre aufrechterhält. Die meisten Charaktere sind in Anbetracht des Genres außergewöhnlich facettenreich und tiefgehend beschrieben, gleichzeitig stellt der Autor durch zahlreiche Perspektivwechsel die Wirkung von Personen nach außen in der literarischen und realen Welt in Frage. Die realitätsnahen Handlungen und Figuren bieten für den Leser ausreichend Indentifikationspotenzial.
Wie bereits erwähnt nimmt die Liebe einen großen Stellenwert im Buch ein. An dieser Stelle war für mich die sexuelle Ebene zu ausgeprägt. Während mit der ersten und gleichzeitig grandiosen Kurzgeschichte eine authentische aber auch leicht philosophisch angehauchte Bearbeitung des Glücksbegriffs erfolgt, beschränken sich vor allem die Kurzgeschichten in der Mitte des Buches zu stärk auf sexuelle Probleme. Generell sind jedoch die philosophischen und intellektuellen Elemente im Buch positiv hervorzuheben. 
Insgesamt ein lesenswerter Kurzgeschichtenband, der dem Leser durchaus Denkanstöße bietet und aufzeigt: Wer zu sehr an der Idealvorstellung des Glücks festhält, dem entgehen die ganz realen und flüchtigen Glücksmomente.



Dieses Buch wurde mir als Leseexemplar zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

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