Das Buch der Freude - Dalai Lama & Desmond Tutu & Douglas Abrams


Lotos Verlag / 22,99 € Gebunden / 384 S. / Erschienen 26. September 2016


Klappentext: 


"Sie sind zwei der bedeutendsten Leitfiguren unserer Zeit: Seine Heiligkeit der Dalai Lama und Erzbischof Desmond Tutu. Obwohl ihr Leben von vielen Widrigkeiten und Gefahren geprägt war, strahlen sie eine Freude aus, die durch nichts zu erschüttern ist. 
Im Buch der Freude vereinen die „Brüder im Geiste“ ihre immense Lebenserfahrung und die Weisheit ihrer Weltreligionen zu einer gemeinsamen zentralen Erkenntnis: Nur tief empfundene Freude kann sowohl das Leben des Einzelnen als auch das globale Geschehen spürbar zum Positiven wandeln. Unabhängig von allen Herausforderungen und Krisen, mit denen wir täglich konfrontiert werden, können wir diese Energie in uns entfalten und weitergeben. So wird die Freude zur Triebkraft, die unserem Dasein mehr Liebe und Sinn verleiht – und zugleich Hoffnung und Frieden in unsere unsichere Welt bringt."

Eindruck:

Das Buch beschäftigt sich mit wichtigen Themen des Lebens: Freude, Glück, Mitgefühl, Freundschaft, Egoismus, Angst, Trauer, Tod und vieles mehr. Dabei stehen nicht nur große religiöse und philosophische Themen im Vordergrund, sondern die Autoren widmen sich auch alltäglichen Sorgen und Herausforderungen. Die Gespräche zwischen den beiden geistlichen Vertretern hat der Autor Douglas Abrams literarisch aufgearbeitet und mit interessanten Details zum Leben und Wirken der beiden versehen. Wiederkehrende Bezugspunkte sind beispielsweise das Leben im Exil des Dalai Lama und der Kampf gegen die Apartheid des emeritierten Erzbischofs Desmond Tutu.

Das Buch lässt sich grob in zwei Teile gliedern. Im ersten umfangreichen Teil werden die Gespräche und Überlegungen über Freude und all den dazugehörigen Elementen wiedergegeben. Der zweite relativ kurze Teil enthält praktische Übungsvorschläge und Empfehlungen des Dalai Lama und Desmond Tutu, um mehr Freude im Alltag zu erlangen. Die Übungen sind teils alltagsnah, teils verknüpft mit Gebeten oder Meditationen. Spiritualität und Religiosität spielen eine wichtige Rolle im Buch, ohne dass sie dem Leser als Ideal aufgedrängt werden - der Dalai Lama selbst spricht sich ja für eine Gemeinschaft der Menschen jenseits von Religion aus.
Im ersten Teil lassen sich interessante Überlegungen entdecken. Der Ansatz der sogenannten geistigen Immunität klingt spannend, Mitgefühl ist eine immer wiederkehrende Eigenschaft, um wahre Freude zu erreichen und beide sind sich einig, dass man Freude nur in Bezug auf andere erfahren kann. Zusätzlich bieten kurze Einblicke in den Forschungstand zu den einzelnen Themen einen wissenschaftlichen Überblick. Schade ist allerdings, dass ein Quellenverzeichnis zu den wissenschaftlichen Informationen fehlt -  so wäre es einfacher, sich mit dem ein oder anderen noch weitergehend zu befassen. Als störend empfand ich die vielen Abschweifungen in unwichtige Anekdoten und vergangenen Erfahrungen des Koautors mit den beiden Religionsvertretern. So wird beispielsweise ein ganzer Absatz dem Lieblingseis von Desmond Tutu gewidmet. Die häufig ähnlichen Beschreibungen des Umgangs der beiden Religionsvertreter miteinander wirken nach 150 Seiten wie bloße Wiederholungen - die schelmische Art der beiden wird ungefähr in jedem zweiten Kapitel ausgeführt. Ebenso die ständige Betonung ihrer Popularität trug meiner Meinung nach nichts zum Inhalt bei.

Letztendlich ist es ein Buch, das trotz einiger Schwachpunkte bei der literarischen Ausarbeitung wichtige Denkanstöße gibt, zur Aktualität Bezug nimmt und Freude als ein Thema behandelt, das jeder in seinen Alltag einbauen kann. Es gibt einige treffende und inspirierende Textpassagen. Hier eine kleine Auswahl:

"Wir haben alle das gleiche Potenzial für Zuneigung. Und jetzt entdecken die Wissenschaftler gerade, dass unsere grundlegende menschliche Natur mitfühlend ist. Das Problem besteht darin, dass unsere Kinder Schulen besuchen, in denen man ihnen nicht beibringt, diese tiefen menschlichen Werte zu kultivieren."
(Dalai Lama, S. 144)

"Meiner Ansicht nach ist eine der besten Gegenmaßnahmen die alte Methode, die Dinge zu zählen, mit denen man gesegnet ist. Das klingt vielleicht nach dem altbackenen Ratschlag eines Großvaters, doch es hilft. Du hast vielleicht kein so großes Haus wie dieser Bursche, aber du wohnst auch nicht gerade in einer Hütte. Es kann wirklich helfen, dankbar zu sein für die Sachen, die man dennoch hat.(...)Das Allerbeste ist, wenn man sich die Frage stellen kann: >Warum will ich eigentlich ein Haus mit sieben Zimmern, wo wir doch nur drei Personen sind?< Und dann können wir die Sache andersherum betrachten, nämlich im Zusammenhang mit dem Klimawandel wegen unseres galoppierenden Konsums, der einfach katastrophal für die Umwelt ist. Also kaufen wir uns lieber ein Elektroauto und sagen: >Nein, so eine riesige Luxuskarosse brauche ich nicht.< Und so wird aus dem >Feind< plötzlich ein >Verbündeter<."
(Desmond Tutu, S. 153f.)

"Wir haben oft das Gefühl, dass das Leiden uns verschlingt oder niemals enden wird, aber wenn wir uns klarmachen, dass auch das Leiden vorübergeht oder, wie die Buddhisten sagen, vergänglich ist, können wir es leichter durchstehen und vielleicht sogar erkennen, was wir daraus zu lernen vermögen, wir können einen Sinn darin finden, damit wir großmütiger und nicht verbittert daraus hervorgehen. Die Tiefe des Leidens kann zu einem Hochgefühl der Freude führen."
(Dalai Lama, S.172)





Vielen Dank an den Lotos Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!



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